Wollen Sie ein behindertes Kind?

Embryonentests (Trisomie-21). Wenn so ein behindertes Kind verhindert werden kann, dann soll man das diskussionslos tun.

Embryonentests (Trisomie-21). Wenn so ein behindertes Kind verhindert werden kann, dann soll man das diskussionslos tun.

Die Antwort ist klar: Nein!

Kuriose Debatte im gestrigen Schweizer Ständerat bezüglich eines Embryonentests (Trisomie-21). Dabei geht es um die Grundsatzfrage ob Ärzte bei künstlichen Befruchtungen alle Embryos im Labor auf Gendefekte untersuchen dürfen. Ist das eine Frage? Für was die Schweiz alles Zeit hat… lesen Sie zuerst diesen Beitrag.

Stellen Sie sich vor, eine Familie hat den sehnlichsten Wunsch endlich ein Kind zu erhalten. Die Herkömmliche Art ein Kind zu «produzieren» funktioniert nicht und das Paar holt sich – nach langen Diskussionen – Medizinische Hilfe. Sämtlichen moralischen Auseinandersetzungen hat das Paar bereits gemeistert und nun geben Sie sehr viel Geld aus um einen neuen Steuerzahler, das Licht der Welt zu schenken (ca. CHF 7’500.00 und mehr…). Und nun kommt die Gretchenfrage: Was denken Sie? Wollen diese Eltern nun ein behindertes Kind? Der Ständerat hat gestern über diese Frage debattiert und die Pro sowie Kontra ausdiskutiert. Fraglich so etwas…der Entscheid, dass in der Schweiz künstliche Befruchtungen statt finden dürfen wurde vor Jahren gefällt. Damit ist die «Ethik»-Frage bereits geklärt. Jetzt kommen wir zu meiner Ausgangsfrage: Wollen Sie ein behindertes Kind? Jeder kennt die Antwort und jedes werdende Elternpaar sagt klar «Nein»! Es geht dabei nicht um ein «Design»-Baby sondern ob das Kind grundsätzlich gesucht ist oder nicht. Wenn man bereits vor der Einpflanzung des Embryos dies feststellen kann, hilft dies sicherlich primär den werdenden Eltern mit der Gewissheit keine zusätzlichen «Belastungen» auf sich nehmen zu müssen und andererseits… der Staat hat keine zusätzlichen Kosten. Sind wir doch mal ehrlich, jeder weiss wie viel Kraft Eltern mit behinderten Kindern aufbringen müssen (geschweige von der psychologischen Belastung) und jeder weiss, dass der Staat die Familien finanziell mit sämtlichen ärztlichen Behandlungen, speziellen schulischen Einrichtungen sowie Behindertenwerkstätten unterstützt. Warum stellt sich der Staat diese Frage noch? Die Antwort muss klar sein. Es ist keine Frage der «Ethik»! Ok…zum Glück sagte nun der Ständerat «JA» und somit wird bald das Schweizer Stimmvolk an der Urne über diese «Entscheidung» endgültig abstimmen.

Es geht bei dieser Debatte nicht darum ob man behinderte Kinder nicht gerne hat. Behinderte Kinder sind genauso liebevoll wie «normale» Kinder. Wenn auf dem natürlichen Weg ein behindertes Kind auf die Welt kommt wird das genauso geliebt und akzeptiert wie andere Kinder. Doch hätten die Eltern gewusst, dass Ihr Kind behindert auf die Welt kommt, hätten Sie eventuell dieses Kind abtreiben lassen. Doch das gute daran ist, dass die Eltern die freue Wahl/Entscheidung dazu haben. Und wichtig! Das Kind ist bereits im Mutterleib, ob man dann eine Abreibung eines Kindes einleitet oder ob man im Reagenzglas die «behinderten» Eizellen vernichtet, ist ein grosser ethischer Unterschied. Klar kommt die Frage auf, ab wann ist eine Eizelle ein Lebewesen. Für mich ganz klar erst dann, wenn die befruchtete Eizelle im Mutterleib eingefügt wurde. Das ist eine menschliche und ethische Logik.

Marco Gloor: «Keiner will ein behindertes Kind und keiner getraut sich das offenen zu sagen. Aber es ist so. Genieren wir uns nicht, wenn es um die Realität geht.»
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Posted on by Marco Gloor in Schweiz Leave a comment