Das Recht auf Vergessen!

Ist die Pressefreiheit in Gefahr? fragt sich auch Marco Gloor

Es gibt zur Zeit eine heisse länderübergreifende Diskussion in den Internetforen, ob es einerseits gut ist, dass man seine Google-Vergangenheit löschen kann und ob zudem die Pressefreiheit in diesem Zusammenhang in Gefahr ist.

Nach einer Umfrage von der Internetplattform «Giga.de» sind über die Hälfte aller User beunruhigt darüber, dass «unser» Internet nicht vergisst. Doch nur gerade knapp 6 Prozent nutzten bereits das Recht auf Vergessen und haben bei Google einen Löschantrag gestellt. Jetzt könnte man denken, dass nicht jeder bei Google einen schlechten Artikel oder ein unpassendes Bild vorfindet. Ich empfehle Ihnen, dass Sie sich mal wieder googlen und dies auch bei den Bildern tun (!). Gerade dort hat es eventuell Bilder, welche Sie nicht wirklich noch als Vorteilhaft erachten. Mit nur einem Klick in der Bilder-Ansicht bei Google, können Sie dieses Bild dem Suchriesen melden. Denken Sie aber ja nicht, es geht einen Tag und dieses unvorteilhafte Bild verschwindet jetzt so schnell wie Sie Ihren «Unmut» kundtaten. Nein, dies kann über vier bis 6 Monate gehen. Darum kümmern Sie sich jetzt darum und nicht erst dann, wenn Sie eine Stelle suchen müssen. Eines ist klar, Ihr zukünftiger Arbeitgeber wird Sie zuerst googlen und dann eventuell (nicht) einstellen. Dies nennt man «Personal Reputation-Management». Ihr Ruf im Internet wird in Zukunft noch viel wichtiger als Ihr persönlicher Ruf beim Hausnachbarn oder im eigenen Dorf/Stadt. Dieser hat Sie schon längst gegoogelt…

Mit Sicherheit ist die Pressefreiheit durch dieses neue Recht zu Vergessen nicht in Gefahr! Die Journalisten können immer noch das Schreiben was Sie möchten. Da einerseits Google lediglich den Such-Link, zum Beispiel zu einem Artikel in der Zeitung löscht, und nicht den Artikel selbst bei der Zeitung. Andererseits müssen die Journalisten nun wieder etwas mehr recherchieren und können sich nicht nur auf Google verlassen 😉 So hat jeder von uns die Möglichkeit einem Journalisten seine Wahrheit persönlich zu sagen… in diesem Sinne hat der Europäische Gerichtshof mit seinem Entscheid jedem von uns, so oder so, etwas Gutes getan.

Jeder von uns hat das Recht auf Vergessen. Jeder von uns hat, nach einer getanen Dummheit (was auch immer), das Recht auf eine zweite Chance. Würde Google nicht vergessen können, dann würden wir immer noch auf die Dummheiten vor 20 Jahren hingewiesen, dabei haben wir unsere Einstellung sowie unseren Charakter bereits geändert.

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