Zeitkiller Handy!?

Lenkt einem das Handy immer ab?

Müssen wir ständig online sein?

Permanente Erreichbarkeit störend?

Nun, immer mehr Menschen sind ständig online. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn mit der heutigen Kommunikationstechnologie und digitalen Infrastruktur ist das zumindest in der Schweiz kein Problem mehr und die Kosten für den Nutzer liegen meist auch in einem Bereich, der nicht wirklich mehr schmerzt.

Dem Zweck entsprechend ist das Smartphone immer dabei. Und die permanente Onlineverbindung ist ja auch ein Verführer par ex­cel­lence: schnell mal E-Mails checken, eine neue Statusmeldung auf Facebook ist reingekommen, eine SMS, was tut sich auf Twitter, WhatsApp …? Diese Aufzählung ließe sich noch fortsetzen.

Alle diese digitalen Ablenkungen sind kleine Zeitfresser, aber in Summe betrachtet, gehören sie mit zu den grössten Zeitdieben und stehlen uns täglich wertvolle Zeit – natürlich abhängig von der individuellen Nutzung der Geräte. Ob bei der Arbeit oder im privaten Bereich, diese Unterbrechungen reißen uns jedes Mal aus der aktuellen Tätigkeit und Gedankenwelt und können längerfristig sogar zu einer Reduzierung der Aufmerksamkeitsspanne führen. So ein Smartphone kann bei dem einen oder anderen auch eine Art digitale Abhängigkeit und daraus resultierend ein zwanghaftes Verhalten bewirken. Dieses zeigt sich beispielsweise darin, dass keine zehn Minuten vergehen, bis erneut nach dem Smartphone gegriffen wird, um aktuelle Eingänge zu prüfen.

Kann die Nutzung des Smartphones schöne Momente ruinieren?
Marco Gloor’s Meinung nach ja, durchaus. Es gibt zahlreiche Situationen, in denen die Nutzung des Smartphones auf das Umfeld störend wirken kann. Um nur eine zu nennen: Mich stört es beispielsweise bzw. ich empfinde es sogar als Unsitte, wenn in einem Gespräch mein Gesprächspartner sein Smartphone auf dem Tisch neben sich platziert und ständig danach schielt. Noch schlimmer: Wenn er es während des Gesprächs mehrmals zur Hand nimmt, um Eingänge zu prüfen. Das signalisiert mir, dass er mit seinen Gedanken nicht beim Gespräch ist, und vermittelt mir auch fehlende Wertschätzung – auch wenn es nicht so sein mag. Eine fruchtende Gesprächsatmosphäre wird dadurch im Keim erstickt.

Aber ich kann mit dem Smartphone auch schöne Momente festhalten und damit in besserer Erinnerung behalten. Etwa indem ich später (im hohen Alter) auf die Videoaufzeichnung oder die Bilder eines besonders schönen Ereignisses blicke und dadurch die Erinnerung lebendiger wird. Ohne diese Aufzeichnungen würden die Bilder im Kopf schneller verblassen. Durch die permanente Erreichbarkeit kann ich auch in Notsituationen schnell Hilfe holen. Allein durch diese rechtzeitigen Hilfeanforderungen sind viele Notfälle glimpflich ausgegangen. Jede Medaille hat eben immer zwei Seiten.

Und meine digitale Abhängigkeit?
Nun, ich bin selbst mehr oder weniger permanent online – bedingt auch durch meine berufliche Tätigkeit –, sei es per Smartphone oder am iMac. Muss ich ständig online sein? Nein, sicherlich nicht. Da ich aber auch mit Indonesien zusammenarbeite und dabei fünf/sechs Stunden Zeitverschiebung herrscht (je nach Sommer-/Winterzeit unterschiedlich), ist eine gewisse Präsenz erforderlich. Allerdings ist mir durchaus bewusst, dass ich wesentlich mehr online bin, als es notwendig wäre.

Regelmäßig offline
Ich nehme mir bewusst regelmäßig Auszeiten von der Online-Welt. Anfangs tat ich mir damit doch eher schwer. Die Möglichkeit und damit die Versuchung, von unterwegs am Smartphone einfach mal den E-Mail-Posteingang zu prüfen, waren ständig gegeben. Um diese Versuchungen zu unterbinden, habe ich bei besonderen Unternehmungen (bei denen ich keine Ablenkung wollte) mein Smartphone zu Hause gelassen, die SIM-Karte in ein konventionelles Handy ohne Internetverbindung gegeben und dieses mitgenommen. Mehr als Telefonieren war nicht möglich und das hält sich bei mir ohnehin in Grenzen. Und da wurde mir recht schnell klar, dass es mir überhaupt nichts ausmacht, länger offline zu sein – im Gegenteil.

Fazit
Inwiefern diese permanente Erreichbarkeit eine Belastung darstellt und letztlich auch schöne Momente zerstören kann, hängt von der individuellen Nutzung der Medien und Geräte ab. Es liegt also primär an uns selbst, inwieweit wir das Ganze zulassen.Für mich ist diese digitale Verfügbarkeit eine Bereicherung, allerdings musste ich einen bewussteren Umgang damit erst lernen. Der Belastungsgrad hängt aber nicht nur von der Nutzungshäufigkeit ab: Ein Unternehmer, der (auch in seiner Freizeit) z. B. Kundenbeschwerden oder andere herausfordernde Anfragen entgegennimmt, wird die permanente Erreichbarkeit als belastender wahrnehmen als eine Person, welche diese ausschließlich für die Kontaktpflege und das Nachschlagen von Informationen nutzt. Auch das soziale Umfeld (z. B. die Familie) des Unternehmers wird dessen Erreichbarkeit in seiner Freizeit als störend empfinden.

Marco Gloor: «Legen Sie das Handy mal auf die Seite. Schalten Sie es auch ab. Gehen Sie tauchen (ich mache das) und Sie schalten richtig ab. Nach dem erneuten Einschalten, geht es Ihnen viel besser… probieren Sie es».
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Posted on by Marco Gloor in Allgemein Leave a comment